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Erfahrungsbericht Christian Liesenfeld

Christian Liesenfeld


Christian Liesenfeld
30 Jahre, ein Kind
Ausbildungsbeginn: 1. August 2012

Von der afrikanischen Savanne in die Eifel

Sein Lebensweg führte Christian Liesenfeld nicht auf direktem Wege zum Erzieherberuf. Zwar wusste er bereits seit seiner Jugend, dass er gerne im pädagogischen Bereich tätig  sein wollte, doch auf Anraten der Familie entschied er sich zunächst, ein Handwerk zu erlernen. Nach seinem Realschulabschluss machte er dann eine Lehre zum Schornsteinfeger. Doch nach 3 Jahren Ausbildung und 4 Jahren Tätigkeit als Geselle in diesem scheinbar zukunftssicheren Beruf, entwickelte der junge Mann eine Rußallergie. Das Ende seiner Schornsteinfegerlaufbahn.

Da traf es sich gut, dass ein befreundeter Hubschrauberpilot ihm das Angebot machte, als „Boomoperator“ mit ihm nach Zypern und Afrika zu gehen. Ein interessantes Leben, das aber mit einem hohen Risiko verbunden war – schließlich ist es die Aufgabe eines Boomoperators, mit einer in einem Hubschrauber eingebauten Anlage Starkstromisolatoren an Starkstromleitungen zu reinigen. Doch das störte Christian Liesenfeld nicht – er wollte die große weite Welt kennen lernen und Abenteuer erleben.

Als er jedoch nach einigen Jahren als Boomoperator erfuhr, dass seine Freundin ein Kind erwartete, sagte der gebürtige Koblenzer der risikoreichen Tätigkeit adieu und kehrte nach Deutschland zurück. Dort beschloss er, seinen Traum, als Erzieher tätig zu sein, wahr werden zu lassen.

Wie er dabei vorging, warum er sich für die Teilzeitausbildung im Jugendhilfezentrum Bernardshof entschied und welche Chancen, Herausforderungen und Perspektiven er in seiner neuen Tätigkeit sieht, verrät er im folgenden Kurzinterview.

Frage 1: Warum haben Sie sich dazu entschlossen, Erzieher zu werden?

Ich möchte junge Menschen fördern und in Ihrer Entwicklung voranbringen. Es macht mir große Freude zu sehen, wie man Positives bewirken und gemeinsam mit ihnen die Weichen für eine selbstbestimmte Zukunft stellen kann. Ich bin daher bin sehr froh, dass ich die Möglichkeit nutzen kann, eine Teilzeitausbildung in einer Jugendhilfeeinrichtung zu machen.

Ich habe mich nach meiner Rückkehr aus Afrika direkt auf einen Schulplatz für die Ausbildung zum Erzieher beworben.

Mein jüngerer Bruder hat ein Anerkennungsjahr m Bernardshof gemacht und mir viel Positives darüber berichtet, ebenso Freunde und Bekannte. Der Bernardshof ist in der Region sehr bekannt und war von Anfang an meine Nr. 1.

Frage 2: Welche Herausforderungen müssen Sie bei dieser Ausbildungsform meistern?

Ich arbeite 30 Stunden in der Woche im Bernardshof, an zwei Tagen besuche ich die Julius-Wegeler-Schule in Koblenz, an der ich mir die theoretischen Kenntnisse des Erzieherberufs aneigne. Das ist anstrengend – zumal ich für die Schule ja auch lernen und Präsentationen vorbereiten muss. Ich muss aufpassen, dass die Familie dabei nicht zu kurz kommt.

Ich habe ein Zeitmanagement-System erarbeitet, mit dem ich meine Zeit besser einteilen kann. Meine Freundin unterstützt mich sehr, sie kümmert sich um unsere kleine Tochter und hält mir bei vielen Aufgaben im privaten Bereich den Rücken frei.

Frage 3: Welche Erfahrungen haben Sie in den ersten Monaten im Bernardshof gemacht?

Meine Arbeit macht mir großen Spaß. Ich war als Jugendlicher selbst ein wenig „wild“ und kann mich daher gut in die Jungen einfühlen aber dennoch eine professionelle Haltung ihnen gegenüber einnehmen. Die Kollegen in der Gruppe stehen mir immer gerne mit Rat und Tat zur Seite, wenn ich mal nicht weiter weiß.

Ein großer Pluspunkt für die Arbeit mit den Jugendlichen ist, dass ich sportlich bin und über die diversen Sportprojekte (Fußball, Klettergarten etc.) viele Anknüpfungspunkte mit ihnen finde.

Frage 4: Wie profitieren Sie von den Erfahrungen, die Sie in Ihrer früheren beruflichen Laufbahn gemacht haben?

Ich habe während meiner Zeit im Ausland viel gesehen und erfahren. Gelernt, dass wir hier in Deutschland ein sehr privilegiertes Leben haben und man die Dinge manchmal aus einer ganz anderen Perspektive betrachten muss.

Lebenserfahrung ist ein definitiver Vorteil. Ich lasse mich nicht so schnell aus der Ruhe bringen, ordne die Dinge oft besser ein und gehe mit Konflikten souveräner um, als ich dies vielleicht vor 10 Jahren gekonnt hätte. Die Jungen merken das und bringen mir Respekt entgegen. Eine wichtige Voraussetzung für die erfolgreiche Zusammenarbeit.

Frage 5: Was haben Sie sich für die Zukunft vorgenommen?

Die Erlebnispädagogik reizt mich sehr – ich möchte mich in diesem Bereich gerne weiterbilden.

Frage 6: Was raten Sie Interessenten, die eine Teilzeitausbildung zum Erzieher in Erwägung ziehen?

Erzieher sein bedeutet, gefordert sein und ständig am Ball zu bleiben. Sich wirklich einsetzen und mit vollem Engagement an die Aufgaben gehen. Wer denkt „Ich weiß nicht was ich tun soll – vielleicht einfach mal Erzieher werden?“ ist in diesem Beruf definitiv nicht richtig. Das gilt auch für die Ausbildung: Die Kombination Schule und Beruf ist anspruchsvoll, es gibt viel zu lernen und man hat nicht viel Freizeit. Schichtdienst und Wochenenddienst gehören in der praktischen Ausbildungsphase dazu. Ein fester Wille und Beharrlichkeit sind unerlässlich.